dox | centre for contemporary art

[CZ | PRAG]


EIN ZEPPELIN AUF DER DACHTERRASSE


DOX - da denkt man sofort an den großen Zeppelin, der scheinbar wie aus dem Nichts auf dem Dach der ehemaligen Fabrik im Prager Stadtteil Holešovice gelandet ist. Gulliver heißt das Luftschiff, das auch für Besucher zugänglich ist und zuweilen für Veranstaltungen genutzt wird. Die Anspielung auf das satirische Werk des irischen Schriftstellers Jonathan Swift ist sicher kein Zufall - vielmehr möchte auch das DOX mit seinen Ausstellungen, Inszenierungen und Workshops auf die derzeitige gesellschaftliche Situation aufmerksam machen.

DOX in Prag mit Luftschiff Gulliver
DOX | © Jan Slavik

Das DOX besteht in seiner Form seit 2008. Was als private Initiative begann, ist mittlerweile zur größten unabhängigen Institution für zeitgenössische Kunst in der Tschechischen Republik avanciert. Die alte Fabrikhalle in dem spannenden Stadtteil Holešovice ist zu einem Beispiel für modernste zeitgenössische Architektur geworden und der Öffentlichkeit frei zugänglich. Die Ausstellungsbereiche, die multifunktionale Halle DOX +, das Luftschiff Gulliver, ein Design Shop, eine Buchhandlung und das Kunstarchiv laden zum Entdecken wie Verweilen ein. Das Programm umfasst in diesem Sinne dann auch die verschiedensten Genres von Kunst über Literatur und Theater bis hin zu Musik. Kritische öffentliche Diskussionen zu Themen unserer Zeit sind ausdrücklich erwünscht.

© Jan Slavik


THE PAST

Das typisch industrielle Erscheinungsbild des Fabrikgebäudes geht auf die Jahrhundertwende zurück. Der Bauunternehmer Antonín Žižka baute für Rossemann & Kühnemann Co. damals eine Maschinenfabrik, die 1901 um Werkstätten, ein Bürogebäude, eine Schmiede sowie einen Schuppen für Farben und Öle erweitert wurde. Ab 1925 wurden hier für drei Jahre Avia-Flugzeuge hergestellt. Einige Eigentümerwechsel, Um- und Anbauten später kam es schließlich zur Verstaatlichung. Im Jahr 2002 kaufte schließlich Leoš Válka das Gebäude - und wurde später zum Mitgründer des DOX.


THE PRESENT

Besagter Leoš Válka - nach 15 Jahren im Ausland in die Tschechische Republik zurückgekehrt - erkannte schnell das einzigartige Potenzial des Industrieensembles und befand, dass die ehemalige Fabrik zu einem Zentrum für zeitgenössische Kunst werden müsse. Um das nötige Kapital zu beschaffen, musste Válka aber zuerst nach Mitstreitern suchen - die er in Václav Dejčmar, Libor Winkler und Karel Janeček fand. Alle drei zählen zu den derzeit bekanntesten Förderern der Kunst in der Tschechischen Republik. Seit 2008 verfolgt das DOX seine Mission als nichtstaatliche, gemeinnützige und nicht sammelnde Einrichtung.

© Bendikt Markel, DOX

Im Laufe der Zeit haben drei renommierte tschechische Architekturbüros die ehemalige Fabrikhalle in ein Beispiel zeitgenössischer Architektur verwandelt: Den Anfang machte 2008 Ivan Kroupa und das DOX wurde daraufhin prompt für den renommierten Mies van der Rohe Award nominiert und im Phaidon-Atlas der Weltarchitektur des 21. Jahrhunderts als eines der interessantesten Architekturprojekte des letzten Jahrzehnts weltweit aufgeführt.


2016 ließen Leoš Válka und Architekt Martin Rajniš schließlich die zur Ikone avancierte Intervention namens Gulliver Airship auf dem Dach des DOX Centers landen. Die 42 Meter lange Stahl- und Holzstruktur, die von den eleganten Linien der Luftschiffe des frühen 20. Jahrhunderts inspiriert war ist mittlerweile zu einem Treffpunkt für zeitgenössische Kunst und Literatur geworden.


Architekt Petr Hájek ergänzte das DOX schließlich um die Multifunktionshalle DOX +, die für Theater, Performances, zeitgenössische Musik, Film oder Konferenzen genutzt wird. Herausragend sind neben der unverkennbaren Fassadenstruktur die akustische Anlage sowie die mobile Tribüne. Das Projekt führte zu einer weiteren Nominierung für den renommierten Mies van der Rohe Award.

"Wenn heute immer mehr Menschen dazu neigen, gefährlich gleich zu denken,

kann die Fähigkeit der Kunst, unsere gewohnten Sichtweisen auch nur für einen Moment auszusetzen, ihr größter Wert sein."

In diesem Sinne hat sich die einstige Kunsthalle zu einem echten Kulturzentrum mit einmaligem Charakter entwickelt

DOX GULLIVER AIRSHIP
GULLIVER AIRSHIP | © Jan Slavik

THE FUTURE

DOX wird sicher nicht im Jetzt und Hier verharren, sich zurücklehnen und alles gemütlich seinen Gang nehmen lassen. Man denkt hinter den Kulissen immer noch weiter, neuer, experimenteller, aber auch zum Wohle aller. Um weiter unabhängig und kreativ arbeiten zu können, ist das DOX aber - wie jede andere Institution auch - auf Unterstützer und Spendengelder angewiesen. Wir leben in einer Zeit, in der es kaum etwas logischeres geben kann, als in Kunst und Kultur zu investieren und den kritischen Dialog aufrecht zu halten - richtig und wichtig, wenn das DOX also am 16. Dezember endlich wieder öffentlicher Raum für Kunst, Kommunikation und Kreativität sein darf.

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